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  • Fernsehbeitrag "Werte und Helden 01"; SFB "Tickelt", 04.02.1999
    Autor Christoph Spielberger
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“Werte und Helden 01″, Aktion 1999

Künstler fährt Auto zu Schrott

Ökologische Dienstleistung: Roland Eckelt bietet Auto-Crashs an.”Befreien Sie sich von den täglichen Schrecken und Gefahren im Straßenverkehr. Überlassen Sie mir Ihr Auto – und begutachten Sie seine fachgerechte Zerstörung. Warten Sie nicht auf den Crash. Ich werde ihn für Sie produzieren.” Postkarten mit diesem Aufdruck können in der nächsten Zeit auch in Ihrem Briefkasten auftauchen.

Der in Berlin lebende Künstler Roland Eckelt will mit seinem Angebot der Verschrottung einen weiteren Schritt in Richtung “praktischer Kommunikation über Kunst durch einen funktionalen Zusammenhang” tun . Dabei interessiert ihn weder der Aufprall der Karossen als ästhetisches Event noch die skulpturale Hinterlassenschaft a Ia Chamberlain. Vielmehr arbeitet der 1958 in Wiesbaden geborene Künstler an der ästhetischen Schwelle zwischen (historischer) entmaterialisierter Konzeptkunst und dem aktuellen Dienstleistungsbetrieb der Kunst.

“Ich biete eine Dienstleistung an, indem ich jemanden von seinem Auto und den Gefahren des Straßenverkehrs befreie”, erläutert Eckell ohne Augenzwinkern. In dem er das Auto zerstört, überträgt er es in ein künstlerisches Konzept. Der Gegenstand wird zum Vehikel ästhetischer Verschiebungen. Von dieser Strategie – zwischen alltäglicher Praxis, dinghafter Existenz und ästhetischer Auratisierung – sind sämtliche Werke und Aktionen Eckelts in den letzten Jahren geprägt. ln Vietnam studierte er jüngst die Funktionen und Gefahren der traditionellen Lackmalerei, in Berlin ging es ihm u.a. um das ” Ruinen bauen” und in seinen Super 8-Filmen beschäftigen ihn Fragen wie “Kann Kunst heilen?” bzw. “Denkt Kunst?”

Die Kunst der klassischen Moderne war geprägt von der Dynamik von Zerstörung und Entsorgung. Roland Eckeil übernimmt diesen Auftrag und überführt ihn in den Alltag und seine Gegenstände. Seine künstlerischen Dienstleistungen werden dabei ebenso praktisch wie disfunktionaL Ein Autobesitzer wird individuell entsorgt und Teilhaber eines Kunstprojekts. Dem Erlebnis der Verschrottung soll er indes nicht beiwohnen. Er übergibt sein Gefährt, das nicht älter als zehn Jahre und TÜV zugelassen sein sollte, dem Künstler und begutachtet am Ende etwas, das auf die Realität der Kunst Bezug nimmt. Was dazwischen stattgefunden hat, ist einfach eine Verschiebung/Verformung des Dinghaften wie seiner Bedeutung, über diezuvor mit einem Vertrag zwischen beiden Partnern grundsätzliches Einverständnis erzielt wurde. Die Souveränität des Künstlers muß bei einer solchen ästhetischen Praxis immer wieder neu unter Beweis gestellt werden. ” Es geht auch um Situationen, wo ich selber noch nicht weiß, wie ich sie bewältigen kann”, räumt Eckelt ein. Die Auto-Verschrottung ist das erste Projekt einer neuen Werk-Reihe unter dem Titel “Werte und Helden”.

Angelika Stepken (Zitty 1999)